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Schimmel am Fenster

Obwohl oder gerade weil man tagtäglich durch sie hindurchblickt und sie meist ebenso oft benutzt, werden die häuslichen Fenster von den meisten Menschen nur unbewusst wahrgenommen. Dementsprechend fallen auch Schimmelpilze an dieser Stelle häufig erst sehr spät auf.  Einbruchgefahr, Zugluft, hoher Energieverbrauch – Fenster und Fenstertüren gelten nicht zu Unrecht als die größten Schwachstellen des Hauses. Kein Wunder, dass auch der Schimmel sich gern Fenster und die umliegenden Bereiche als Siedlungs- und Wachstumsort aussucht.

 

5 Ursachen für Schimmel am Fenster

Das Wissen um die Ursachen von Schimmel kann hilfreich sein, um einen Schimmelbefall in der Zukunft zu vermeiden. Dabei sind die Ursachen ebenso unterschiedlich wie die entsprechenden Maßnahmen, die zur Entfernung ergriffen werden können.

Falsches Lüftungsverhalten und Wärmebrücken

Insbesondere in den Wintermonaten ist das Risiko eines Schimmelbefalls am Fenster sehr hoch. Um keine Wärme zu verlieren und die Räume angenehm warm zu belassen, werden in den kalten Wintertagen die Fenster nur ungern geöffnet. Feuchtigkeit, welche in den Räumen durch den Menschen selbst und die Nutzung des Wohnraumes entsteht, hat somit keine Möglichkeit zu entweichen und setzt sich aufgrund der Thermophorese an den kältesten Stellen im Wohnraum ab. Diese kalten Stellen weisen im Vergleich zu den anliegenden Bauteilen eine höhere Wärmestromdichte auf, wodurch nicht nur Wärmeverluste stattfinden, sondern auch die Oberflächentemperatur des umgebenden Baubereichs reduziert wird. Eine Unterschreitung der Taupunkttemperatur führt dazu, dass die Raumluftfeuchtigkeit an der Stelle niederschlägt, sodass Kondenswasser entsteht und die Entstehung von Schimmel begünstigt wird. Bei der Konstruktion eines Gebäudes lässt es sich nicht vermeiden, dass Bauteile ineinander übergehen. Materialien mit hoher und niedriger Wärmeleitfähigkeit werden zusammengebaut, wobei Planungsmängel zu ungedämmten Sturzträgern über Fenster und Türen führen können. Baufehler, wie ein mangelhafter Anschluss zwischen Außenwand und Fenster, ermöglichen zudem ausführungsbedingte Wärmebrücken.

Das gekippte Fenster

Frostige Außentemperaturen veranlassen Mieter dazu ihren Wohnraum durch gekippte Fenster zu lüften („Spaltlüftung“). Die Luftaustauschbilanz zeigt, dass eine Spaltlüftung nur etwas 10% des Luftwechsels einer Stoßlüftung erreicht. Bei dieser Lüftungsalternative bleiben die Fenster oft sehr lange in der Kippstellung, wodurch nicht nur ein hoher Energieverlust stattfindet, sondern auch die Fensterlaibungen deutlich auskühlen. Dies führt zu einer Taupunktunterschreitung und ermöglicht Schimmelbildung. Eine solch spürbare Entwärmung der Umfassungsflächen findet bei einer Stoßlüftung nicht statt. Nicht nur Fensterlaibungen kühlen durch die Spaltlüftung aus, sondern auch die Zwischenräume des Fensters. Auch in denen kann sich die warme Innenluft dann absetzen und Schimmel bilden.

 

Sanierung

Phänomen Schwarze Wohnung

Der erste Gedanke, wenn man dunkle schmierige Flecken an Wand oder Fensterlaibung/-sturz entdeckt ist sehr wahrscheinlich: „Das ist Schimmel.“ Meist ist die Feststellung auch richtig, aber zur richtigen Behandlung des Problems muss besonders im Winter Fogging ausgeschlossen werden. Fogging beschreibt das Phänomen einer zeitlich erheblich beschleunigten Schwarzstaubablagerung über Wände, Fensterrahmen und Einrichtungen. Das Phänomen tritt verstärkt in den Wintermonaten auf und betrifft meist Wohnungen, die erst kürzlich renoviert oder errichtet worden sind. Da Schimmelpilze bei ähnlichen Konditionen auftreten, muss zunächst geklärt werden, ob es sich bei den schmierigen Ablagerungen um Fogging oder Schimmel handelt.

Nach Erkenntnissen des Umweltbundesamtes (UBA) müssen mehrere Faktoren zusammentreffen, um den Fogging Effekt auszulösen. Experten identifizierten schwerflüchtige Kohlenwasserstoffverbindungen (SVOC) aus Teppichböden, Tapeten, Farben, Lacken, Klebern oder aus Kunststoffoberflächen von Möbeln als Verursacher von Fogging. Diese SVOC aus Baustoffen dampfen im Winter langsam aus, verbinden sich mit Staubteilchen aus der Luft und setzen sich an kalten oder elektrostatisch geladenen Flächen ab. Vor allem Weichmacherverbindungen aus der Gruppe der Phthalate werden verdächtigt für die Ablagerungen verantwortlich zu sein. Da Neubauten mittlerweile wärmeisoliert gebaut werden, können die Weichmacher durch Undichtigkeiten nicht entweichen. Wenn im Winter zudem noch weniger gelüftet wird, dann steigt die SVOC-Konzentration in der Innenraumluft an und das Fogging-Phänomen tritt verstärkt auf. Eine Gesundheitsgefahr ist laut dem UBA noch nicht festgestellt worden, wodurch Fogging in erster Linie als ein „ästhetisches Problem“ angesehen wird.

Fogging bildet sich im Unterschied zu Schimmel sehr schnell, oft innerhalb von ein paar Stunden oder über Nacht. Schimmel hingegen breitet sich langsamer aus. Darüber hinaus ist der Schwarzstaub geruchlos und ungiftig, während die Pilzsporen einen modrigen Geruch verursachen und gesundheitsschädlich sind. Da sich die SVOC Partikel aufgrund der Thermoporese an kalten Stellen abscheiden, können die dunklen Schattierungen als Vorboten für einen Schimmelbefall angesehen werden.

Definition Thermoporese: Bezeichnet die Bewegung von Teilchen aufgrund eines Temperaturgradienten innerhalb eines Fluids. In den meisten Fällen erfolgt die Bewegung von heiß nach kalt, jedoch ist, abhängig von der Art der Teilchen und des Fluids, auch eine Bewegung zur heißeren Region möglich.

 

Neue Fenster

Schimmel nach dem Fenstertausch, damit rechnet zunächst niemand – Beim Austausch alter Fenster mit oft hoher Fugendurchlässigkeit gegen neue besser isolierende Fenster, kann es bei der Altbausanierung zu einer ungünstigen Verschiebung des Taupunktes und Schimmelbildung kommen. Werden die neuen Fenster zusätzlich mit Dichtbändern, Kompribändern oder PU-Schaum ordnungsgemäß eingebaut, dann sind auch die Anschlussfugen am Mauerwerk äußerst dicht. Die Wärme wird dann durch die Wärmebrücke im Laibungsbereich an den gut isolierten Fenstern vorbeigeleitet und kondensiert dann dort, wo kein Wärmeschutz angebracht ist.

Alte Fenster sind zwar weniger energieeffizient, die kleinen Undichtigkeiten ermöglichten jedoch eine Zwangsbelüftung, welche bei den neuen dichten Fenstern nicht mehr gegeben ist. Der Luftaustausch in den Innenräumen reduziert sich bei gut isolierenden Fenstern um den Faktor 10. Der eingeschränkte Luftaustausch erschwert die Trocknung feuchter Wandflächen.

Trockenes Glas, feuchter Falz – Schimmel zwischen Fenster und Rahmen

Würden Fensterflügel und Fensterrahmen dumpf aufeinanderstoßen, dann führt das zu einem Spalt, welcher Zugluft ermöglicht und Wärmeenergie entweichen lässt. Um dies zu umgehen, werden Rahmen und Flügel eines Fensters mit einem Falz versehen, sodass die Enden überlappen und die Profilteile ineinandergreifen. Einer der häufigsten Schadensfälle im Fensterbau ist der Schimmelpilz im Falz. Interessanterweise spielt die Luftfeuchtigkeit im Haus für diesen Schadensfall nur eine untergeordnete Rolle.

Seit der Einführung der Energieeinsparverordnung von 2002 (EnEV2002) ist die Dichtheit einer Gebäudehülle gesetzlich festgelegt. Dem staatlichen Gesetz wirkt im Alltag das Naturgesetz des Wasserdampfsättigungsdrucks entgegen, welches von Bauplanern nicht genug beachtet wird. In ideal gedämmten Gebäuden sind die folgenden drei Bedingungen vorhanden:

  • Eine dichte Gebäudehülle
  • Wassermenge in der Raumluft des Hauses > Wassermenge in der Außenluft
  • Haustemperatur etwa 20°C, Außentemperatur deutlich niedriger

Die Folge dieser drei Bedingungen ist ein leichter Überdruck, der die Raumluft in kleinste (konstruktionsbedingt zulässige) Fugen des Fensters wie das Fensterfalz drückt und Kondensat- und Schimmelpilzbildung auslöst. Je besser der Blow-Door-Test bestanden wird (Messverfahren zur Ermittlung der Luftdichtheit eines Gebäudes), desto stärker ist der Druck und desto höher sind die Kondensat-Ausfälle im Fensterfalz. Eine sehr trockene Raumluft mit nur 35% Luftfeuchtigkeit kann schon zur Kondensat-Bildung im Fensterfalz führen. Das bedeutet: Eine Erhöhung der Lüftung hilft bei diesem Phänomen nicht. Da Druck in einem offenen Raum immer nach oben wirkt, sind in der Regel Fenster der oberen Stockwerke deutlich stärker betroffen als Fenster in den unteren Etagen.

 

Dicke Vorhänge

Schwere, dichte und lange Vorhänge verleihen dem Wohnraum ein gemütlich elegantes Ambiente, schirmen jedoch gleichzeitig den dahinter liegenden Bereich komplett ab, wodurch Schimmelbildung begünstigt wird. Der Raum hinter Vorhängen ist deutlich kühler als der Rest des Wohnbereichs, sodass warme Raumluft hier genügend kalte Stellen zur Kondensation findet. Alte und undichte Fenster verstärken die Kondensat Bildung in diesem Bereich erheblich. Die Länge und Dichte der Vorhänge erschwert zudem die Luftzirkulation in dem dahinter liegenden Bereich und verhindert, dass die Stellen ausreichend trocknen.

 

Schmutz

Die meisten Menschen denken erst an das Fenster putzen, wenn man Schwierigkeiten hat durch sie hindurch zu blicken. Die Bildung und das Wachstum von Schimmelpilzen wird durch Staub, Schmutz- und Spinnwebenablagerungen begünstigt. Ein verunreinigtes Fenster bietet dem Schimmel eine optimale Nährstoffgrundlage. Wird das Fenster zudem nur selten geputzt, dann wird die Schimmelbildung gefördert. Da Fenster meist nur zu einer bestimmten Jahreszeit geputzt werden, kann der Schimmel für eine sehr lange Zeit ungestört wachsen und sich ausbreiten.

 

Zimmerpflanzen

Fakt ist, dass nahezu alle Pflanzenarten positiv das Raumklima beeinflussen. Zimmerpflanzen entziehen der Raumluft Kohlendioxid, sodass der relative Sauerstoffanteil in der Luft steigt. Auch nachts, wenn die Photosynthese eingestellt ist und die Pflanze Sauerstoff und Kohlendioxid aufnimmt ist die Sauerstoffbilanz dennoch positiv. Einige Pflanzen sind sogar zusätzlich in der Lage, Schadstoffe zu filtern. Zimmerpflanzen erhöhen jedoch auch die Luftfeuchtigkeit im Raum. Sie geben fast über 90% des Wassers, mit dem sie gegossen werden, wieder über winzige Öffnungen in der Oberhaut der Pflanzenblätter ab. Da Zimmerpflanzen meist auf Fensterbänken bzw. in der Nähe des Fensters aufgestellt werden kann sich in diesem, bereits schimmelgefährdeten, Bereich die Luftfeuchtigkeit so erhöhen, dass Kondensatbildung an den Fenstern die Folge ist. Da der Boden der Pflanzen immer Schimmelsporen enthält ist das Risiko eines Schimmelbefalls am Fenster stark erhöht.

 

Schimmel am Fenster entfernen – Was tun bei Schimmel am Fenster?

Schimmel am Fensterglas oder Fensterrahmen kann laut Umweltbundesamt in die Kategorie „Schimmel auf glatten Oberflächen“ eingeordnet werden. Folgendes Vorgehen wird bei einem Schimmelbefall am Fenster empfohlen:

 

Ethylalkohol

Zunächst sollten die schimmelinfizierten Stellen am Fenster mit Lappen und Haushaltsreiniger abgewaschen werden. Anschließend wird die Stelle mit 70-80 %-igem Ethylalkohol unter Beachtung der Brand- und Explosionsgefahr (Verwendung kleiner Mengen, nicht rauchen, gut lüften, kein offenes Feuer) sowie der Anforderungen des Arbeitsschutzes (Schutzhandschuhe, Mundschutz, Schutzbrille, evtl. Einwegoverall) behandelt. Da der Fensterrahmen als glatte Fläche gilt, können Sie Ethylalkohol auch für ihn verwenden. Wiederholen Sie die Behandlung innerhalb von 2-3 Tagen mehrmals. Wattestäbchen und alte Zahnbürsten können Ihnen helfen den Schimmel auch aus Ecken und schwerereichbaren Stellen zu entfernen.

 

Essigessenz und Backpulver

Essigessenz kann den Schimmel deutlich schonender vom Fenster entfernen als ein Schimmelentferner mit beispielsweise Chlor. Häufig wird das natürliche Desinfektionsmittel zusammen mit Backpulver verwendet, um verschiedenste Schimmelarten zu behandeln. Diese Kombination entfernt Schimmel ohne unangenehme Gerüche zu hinterlassen.

Füllen Sie Essigkonzentrat in einen Zerstäuber und sprühen Sie ihn auf die Stellen, an denen der Schimmel zu sehen ist. Bestäuben Sie die Stellen anschließend mit Backpulver, damit auch die restlich verbliebenen Sporen aus dem Fenster ausgeschieden werden. Entfernen Sie das Backpulver mit einem ausgespülten Lappen und reinigen Sie mit einem feuchten Tuch alle Flächen und Ecken des Fensters. Wischen Sie jegliche Feuchtigkeit auf dem Fenster mit einem Tuch trocknen.

 

Fensterrahmen aus Holz

Fensterrahmen aus Kunststoff sind wesentlich einfacher zu reinigen als Fensterrahmen aus Holz. Da der Kunststoff keinen guten Nährboden für den Schimmel darstellt, ist ein Schimmelbefall meist nur oberflächlich. Anders sieht es aus bei einem Fensterrahmen aus Holz. Holz bildet als organisches Material einen idealen Schimmelnährboden. Das Mycel des Schimmels kann sehr gut in die Tiefen des Holzes eindringen und dadurch die Entfernung erschweren. Eine Behandlung des Holzes, vernichtet meist nur den oberflächlichen Schimmel.

Der restliche, tiefsitzende Schimmel kann zu einem späteren Zeitpunkt wieder sein Unwesen treiben.

Reinigen Sie die Oberfläche eines schimmelinfizierten Holzrahmens mit hochprozentigem Ethylalkohol. Lassen sich die Schimmelflecken vollständig entfernen, können die betroffenen Flächen zur Vorbeugung nachträglich mit einem Schimmelentferner auf Chlorbasis behandelt werden. Wiederholen Sie die Behandlung am besten 2-3 mal, um möglichst tief in das Holz vorzudringen. Beachten Sie, dass der chlorhaltige Schimmelentferner aufgrund seiner bleichenden Eigenschaften das Holz verfärben kann. Testen Sie daher den Schimmelentferner vor der Anwendung an einer verdeckten Stelle. Um den Schimmelentferner möglichst tiefenwirksam einzusetzen, sollten Sie ihn mit Auftupfen und Aufdrücken in den Holzfensterrahmen einarbeiten. Achten Sie bei der Arbeit mit chlorhaltigen Mitteln stets auf eine gute Belüftung des Raumes und auf Schutzkleidung. Ist der Schimmel wenige Millimeter in das Holz eingedrungen, muss eine mechanische Bearbeitung des Holzes (schleifen, hobeln etc.) in Betracht gezogen werden. Bei Schimmel im Fensterkitt hilft nur ein Entfernen und Neueinkitten. Schimmel im Fensterfalz kann meist einfach abgewischt werden.

 

Schimmel am Fenster vorbeugen

„Schlechtes Wetter“, „Man kann noch gut durch sie hindurchgucken“, „Es lohnt sich nicht“ – Die Liste an Ausreden, um sich vor dem jährlichen Fensterputz zu drücken bzw. ihn auf unabsehbare Zeit zu verschieben ist lang. Zugegeben Fenster zu putzen ist anstrengend, kommt Schimmel am Fenster hinzu wird die Arbeit noch viel anstrengender. Hier finden Sie hilfreiche Tipps, um den Schimmel von Ihrem Fenster wegzuhalten:

 

Sauberkeit

Kurz und knapp: Halten Sie Ihr Fenster sauber, um Schimmel keinen Nährboden für das Einnisten und Wachstum zu bieten. Für Putzmuffel hier noch ein kleiner Tipp:

Mondkalender – Viele Menschen nutzen einen Mondkalender, um zu ermitteln wann der beste Zeitpunkt zum Fensterputzen ist. Er beruht auf uralten astronomischen Annahmen, wird aber heute noch in vielen Bereichen eingesetzt. So kurios es klingt:  Grundsätzlich gilt, dass Fenster bei abnehmenden Mond einfacher geputzt werden können als bei zunehmendem Mond.

 

Richtig Lüften 

An diesem Tipp kommen Sie nicht vorbei. Nichts beugt Schimmel am Fenster besser vor als das richtige Lüftungs- und Heizverhalten. Stoßlüften Sie Ihre Wohnung drei bis viermal am Tag. Besonders nach Dusch-, Wasch-, und Kochvorgängen sollten Sie eine Stoß- oder Querlüftung durchführen. Die Stoßlüftung sollte im Sommer auf den Morgen und Abend verlegt werden, damit keine feuchtwarme Luft von außen in die kühlen Innenräume gelangt, sich niederschlägt und zu Feuchteschäden führt. Verzichten Sie im Winter auf eine Spaltlüftung, um die Fensterlaibung nicht auszukühlen und Heizkosten zu sparen. Auf eine Spaltlüftung müssen Sie jedoch nicht komplett verzichten. Verschieben Sie diese Art der Lüftung einfach in den Sommer, dann gibt es gegen eine Spaltlüftung nichts einzuwenden. Wenn bei Ihnen eine Fenstersanierung durchgeführt worden ist, dann lassen Sie sich das neue Lüftungskonzept aushändigen. Gesetzlich festgelegt ist, dass die Lüftungskonzepte vom Planer erstellt werden müssen. Ist kein Planer vorhanden, dann ist der ausführende Handwerker für das neue Lüftungskonzept zuständig.

 

Richtig Heizen

Achten Sie darauf, dass Ihre Wohnräume immer mindestens 16-18°C warm verbleiben, sodass weder das Fenster noch das Mauerwerk rund um das Fenster zu sehr auskühlen und sich Kondensat-Ausfälle bilden. Wischen Sie bei beschlagenem Fenster das Kondenswasser ab und lüften sie bei abgedrehter Heizung. Nach dem Lüften können sie wieder heizen.

 

Luftzirkulation

Maximieren Sie die Luftzirkulation im Fensterbereich. Stellen Sie dafür die Fensterbänke nicht mit Deko und Zimmerpflanzen voll. Zu viele Gegenstände reduzieren die in dem Bereich ohnehin schon eingeschränkte Luftzirkulation zusätzlich. Verzichten Sie für eine erhöhte Luftzirkulation auch auf zu lange, schwere und dichte Vorhänge oder ziehen Sie die Vorhänge tagsüber ganz auf.

 

Lüftungsanlage und Außendämmung

Die Maßnahmen zur Verhinderung der Kondensat-Bildung im Fensterfalz sind reine Symptombekämpfungen. Das Phänomen hat wie bereits beschrieben kaum etwas mit der Luftfeuchtigkeit im Raum bzw. mit der Fensterkonstruktion zu tun. Durch das Anbringen von Abdichtungsmaßnahmen am Fenster (innere Überschlagdichtung und Abdichtung der Glashalteleisten) kann der Falz trocken gehalten werden. Das Problem des Wasserdampfsättigungsdrucks in Niedrigenergiehäusern bleibt aber weiterhin bestehen. Die Raumluft wird, da der Falz nunmehr verdichtet ist, in eine andere Öffnung gedrückt. Eventuell ist diese neue Öffnung bei einem Schimmelbefall noch schwieriger zu lokalisieren und zu behandeln. Um den Druck auszugleichen müsste mehr gelüftet werden, als im Alltag realistisch möglich ist.

Sogenannte Fensterfalzlüfter werden seit Jahren eingesetzt, um dem Schimmelproblem entgegenzuwirken. Die dichten Fenster werden durch die Installation „gezielt undicht“ gemacht, um den zum Feuchteschutz notwendigen Mindestluftwechsel zu ermöglichen. Auch bei dem Einsatz von Fensterfalzlüftern muss mehrmals am Tag von Hand gelüftet werden, damit der hygienische Mindestluftwechsel sichergestellt werden kann. Da Fensterfalzlüfter die erwärmte Luft ohne Wärmerückgewinnung nach außen lassen, wird die Gesamtenergiebilanz bei energetischen Gebäuden zudem verschlechtert.

Falls die genannten kleineren Maßnahmen nicht ausreichen, um das Schimmelproblem zu beheben, dann sollte technologische Unterstützung eingeholt werden. Werden mehr als 1/3 aller Fenster während einer Altbausanierung erneuert, dann ist seit Mai 2009 ein Lüftungskonzept und gegebenenfalls die Installation einer Lüftungsanlage erforderlich (DINA 1946-6). Wenn Sie bereits eine Lüftungsanlage haben und Schimmel im Fensterfalz weiterhin auftritt, dann sollte kontrolliert werden, ob die Lüftungsanlage mit Überdruck betrieben wird oder ob sie mit zu geringer Leistung läuft. Eine Lüftungsanlage kann sogar die Energiekosten reduzieren, da sie Wärmeverluste vermeidet, die durch die Fensterlüftung entsteht. Besonders Geräte mit einer Wärmerückgewinnung sind effizient. Sie können bis zu 95% der Wärme aus der Abluft zurückgewinnen und wieder in den Wohnbereich leiten. Damit lassen sich die Heizkosten erheblich senken.

 

Zargendämmung

Die Erneuerung von Fenstern ohne Verbesserung der Außendämmung führt dazu, dass die Wärme durch die Wärmebrücke im Laibungsbereich an den hochisolierenden Fenstern vorbei geleitet wird. An der Außenseite des Rahmens besteht der Wärmeschutz schließlich nur aus wenigen Zentimetern Laibungsmauerwerk. Es kommt also häufig zu Schimmelbildung im Bereich der Fensterrahmen. Eine durchgehende Dämmung der Fensterlaibung, eine sogenannte Zargendämmung, verringert zwar die verglaste Fensteroberfläche, beugt aber Schimmel in der Fensterlaibung erfolgreich vor. Wird die Fensteroberfläche im Zuge der Sanierung ohnehin vergrößert, sollte die Zargendämmung mitberücksichtigt werden. Ist die Isolierung richtig angebracht, entspricht die Temperatur der Außenwände der Lufttemperatur im Raum. Die Luftfeuchtigkeit kann sich nunmehr nicht an Wärmebrücken niederschlagen.

 

Die Fenster der Zukunft

Beim Thema Raumklima spielt das Fenster gemeinsam mit der Heizungsanlage die Hauptrolle. Beide besitzen die Kraft die schädigende Wirkung des Wassers bzw. der Luftfeuchtigkeit auf die Bauteile zu regulieren. Dementsprechend wird an ihnen stets gefeilt, um ihre Funktionalität zu verbessern. Mit hochisolierenden Fenstern ist also die Geschichte des Fensters nicht zu Ende erzählt. Die Forschung arbeitet an „intelligenten“ Modellen, die bei einem ungünstigen Raumklima automatisch lüften und sich, bei zu starker Sonneneinstrahlung, selbst verschatten. Vorangetrieben wird die Forschung, durch die Energieeinsparverordnung EnEV 2014, die einen nahezu energieneutralen Gebäudestand bis zum Jahr 2050 zum Ziel hat. Eine erhöhte Lüftung in sanierten Gebäuden wird dadurch überflüssig. Alle Fenster sollten bis dato mit einer integrierten Lüftungsanlage ausgestattet sein, welche aktiv an der Klimaregulierung beteiligt ist. Bis alle Wohnungen und Häuser damit ausgestattet sind wird noch einige Zeit vergehen. Bis dahin hilft nur das richtige Lüftungs- und Heizverhalten, um die Luftfeuchtigkeit im Wohnbereich zu kontrollieren und zu optimieren.

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